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Bücher bewahren PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Daniel Krug   
Montag, den 01. Dezember 2014 um 13:02 Uhr

Jeden Tag werden Bücher ins Altpapier gegeben oder einfach in den Müll geworfen. Seit einigen Jahren sammle ich Bücher, die sonst vernichtet werden würden. Nun habe ich ca. 3 Tonnen Bücher in Bananenkisten herumstehen und könnte täglich mehr davon sammeln, was mir meine Berufung zu sein scheint. Allerdings hatte ich bisher nicht die Möglichkeit, diese Bücher in Form einer Bibliothek für Interessenten anzubieten. Da ich nun aber umziehen muß, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, und in eine Räumlichkeit ziehen, in der diese Bibliothek Gestalt annehmen soll. Leider ist dieser Traum für mich allein nicht umsetzbar, weshalb ich heute eine Crowdfunding-Kampagne erstellt habe, um euch um Unterstützung zu bitten ... durch Klick aufs Bild kommt ihr zur Kampagne.

ich freu mich drauf, eure Meinungen dazu zu erfahren.. :)

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 01. Dezember 2014 um 13:09 Uhr
 
Wir haben mit unseren Worten auf euch wie mit Peitschen eingeschlagen ... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Daniel Krug   
Sonntag, den 29. Januar 2012 um 22:47 Uhr

"Gestern ...", ächzt der Verwundete, "wir waren wieder in Ländern, aus denen wir kamen. Alle sahen uns an, als viele Flugzeuge über der Stadt kreisten ... Man konnte sie nicht mehr zählen, und sie flogen von einem Horizont zum andern. Und alle Leute fragten uns: "Warum habt ihr uns das nicht gesagt?" "Nicht gesagt?" höhntest du, "Wir haben mit unsern Worten auf euch wie mit Peitschen eingeschlagen. Aber ihr hattet sieben Lederjacken um eure Seelen. Die oberste war eure Gleichgültigkeit. Die zweite war eure Bequemlichkeit. Die dritte war euer Haß auf uns, weil wir euch unbequem waren und man Rufer in der Wüste nicht gern hat. Die vierte war euer Unglauben an alles, was euch unbequem ist. Die fünfte war euer Trotz, es nicht einzugestehen, daß wir recht hatten. Die sechste eure Liebe zu eurem gemästeten Bauch, und die siebente war euer Egoismus. Und darum," so sagtest du, "waren unsere Worte für euch verloren, bis es zu spät war." ...
(Vision eines sterbenden Pelzarbeiters aus Leipzig, freiwilliger Kämpfer der Internationalen Brigaden bei Teruel in Spanien)

"Aufschreiend, sich die Augen zuhaltend, heulte der fettgewordene Mann: "Wer kann das ertragen, immer vom Krieg zu hören? Wir wollen euch nicht mehr hören! Ihr seid Raben - Raben -." Er brach ab, stand geduckt, als warte er auf einen verdienten Schlag. - "O Marcel", stammelte Jak. [...]  "Du mußt verstehen, Jak",  [...]  "ich habe eine Frau und Kinder und den Garten. Wenn ich in meinen Garten gehe, dort arbeite, dann ist die Erde nicht nur da und gibt einem Frucht, sondern sie ist von Bestand."
"Glaubst du, sie wird Frucht geben und dir bleiben, wenn wir nicht kämpfen?" rief Jak, "glaubst du, die Menschen werden bestehen, ohne zu kämpfen? Dieser Krieg, der kommt, wird alles vernichten, und wir müssen uns wehren, indem wir in den Krieg gehen in dem Moment, da es nötig ist, um der Erde und den Menschen darauf ihren Bestand zu geben."
(Gespräch zwischen ehemaligen Freunden, kurz bevor Deutschland Frankreich annektierte)

"Die Stille... Haben Sie die Stille gehört?" fragte der Ausgemergelte. - "Stille?" stotterte Jak. - "Man hört fast keine Stille mehr", zischte der Ausgemergelte, sich zu Jak beugend, "zu Hause ist sie ganz ausgestorben. Sie ist mit dem Guten gestorben, die Stille. Alles ist lärmend, und bald wird das große Dröhnen über die Welt kommen und in alle Winkel tönen. Wollen Sie nicht für fünf Francs Stille kaufen?"
[...]
"Ich habe ein neues Geschäft aufgemacht", sagte der Ausgemergelte. "Zu Hause hat man mir meines genommen. Ich verkaufte Bücher, Bücher, schöne Bücher. Aber das konnte man nicht mehr dulden, denn mit den Büchern verkaufte ich den Widerstand gegen das kommende Dröhnen, verstehen Sie das? Und man wollte mich in eine Fabrik schicken. Man schickte viele Menschen in eine Fabrik und nahm ihnen die Geschäfte, und sie standen ohne Arbeit und mußten in die Fabriken, um dort für das Dröhnen und das Zischen und den Lärm und das Donnern zu arbeiten, und dann, wenn alles begonnen hat, wird niemand mehr für sich, sondern nur für das große Dröhnen arbeiten können. Verstehen Sie das? Und die Stille wird aus der Welt verjagt. Verstehen Sie das? Jetzt schon ist sie aus vielen Ländern verjagt, ich habe das Dröhnen gehört - verstehen Sie das? - aus Spanien und China und vielen Ländern, erst unterirdisch, aber bei uns geht es schon durch die Straßen, verstehen Sie das? Wollen Sie nicht für fünf Francs Stille kaufen? Ich habe sie hier", er zeigte auf seine Brust, auf das Herz in der hageren Brust. "Verstehen Sie das?"
[...]
"Jetzt können Sie die Stille noch billig haben", drängte der Ausgemergelte, "es ist jetzt fast keine Nachfrage. Aber Ihnen sehe ich an, Sie haben etwas Stille nötig. Nur fünf Francs, Herr, es ist nicht teuer. Sie werden an mich denken, wenn aus dem Himmel und der Erde und aus dem Wasser und aus der Luft das Dröhnen kommt und alle Menschen um Stille laufen und anstehen werden, verstehen Sie das? Dann werden Sie an mich denken und sagen, hätte ich damals nur gekauft!" - 
(eine Szene in einem Pariser Emigranten-Lokal zur selben Zeit)

(alle Auszüge gefunden in "Grüne Oliven und nackte Berge" von Eduard Claudius)

... ... ...

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 07. Februar 2012 um 14:00 Uhr
 
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